Son Marroig: Auf Besuch bei Ludwig Salvator auf Mallorca

Bedrohte Paradiese und unsere Aktivitäten auf den Balearen

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Dr. Robert Hofrichter
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Son Marroig: Auf Besuch bei Ludwig Salvator auf Mallorca

Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 28 Mai 2010 20:19

Son Marroig: Auf Besuch bei Archiduque Ludwig Salvator auf Mallorca

„Ein Stück Brot täglich ist auch genug, wenn man nur einander liebt, mein Schatz!“ Ludwig Salvator in „Zärtlichkeitsausdrücke und Koseworte in der friulanischen Sprache“ (in seinem letzten Werk, erschienen knapp vor seinem Tod)

„Ich hoffe, dass der dicke Luigi für Dein Wohlergehen sorgt“ Kaiser Franz Josef über den Aufenthalt seiner Frau Sissy bei "Luigi"...

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:arrow: Biographie, verfasst von Ludwig Salvators Verleger Leo Wörl: http://www.ludwig-salvator.com/basis.htm
:arrow: Alles über Luwig Salvator auf der Webseite der Ludwig Salvator Gesellschaft http://www.ludwig-salvator.com
:arrow: Texte aus Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Sal ... ch-Toskana

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Während der Dreharbeiten zur WDR-Serie "Bedrohte Paradiese" auf den Balearen ergab sich für mich endlich einmal (es war ein lang ersehnter Traum) die Chance das einstige Domizil des östereichischen Erzherzogs auf Mallorca zu besuchen. Der "gute Luigi" hatte im Laufe von 30 Jahren sukzessive einen ganzen Küstenstrich, 16 Kilometer lang und bis zu 10 Kilometer tief, zwischen den Orten Valldemossa und Deià erworben. Auf diesem Gelände durfte kein Baum gefällt, kein Haus errichtet werden, und alle Tiere, die nicht zu Nahrungszwecken gehalten wurden, konnten hier bis zu ihrem natürlichen Tode ein ungestörtes Leben genießen. Das verrät schon sehr viel über diesen "Urvater aller Aussteiger, Naturschützer und Hippies" ...

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Entdeckt hat "Luigi" die heute durch den Massentourismus (Ballermann) "in Verruf" geratene Insel im Sommer 1867: Da landete Ludwig Salvator von Ibiza kommend, an den Küsten von Mallorca und begann mit der Sammlung und Systematisierung von Daten und Informationen über die Balearen. Das so entstandene siebenbändige Monumentalwerk „Die Balearen“ ist auch heute noch ein zuverlässiges und genaues Zeugnis jener Epoche.

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Der Hauptwohnsitz von "Luigi" war Son Marroig, die anderen beiden größeren Güter Son Moraques und Son Miramar. Für die Touristen jener Tage, die diesen Küstenstrich erleben wollten, ließ Ludwig Salvator eigens die Hospederia „Ca Madó Pilla“ einrichten, ein Gästehaus, in dem Reisende drei Tage gratis Logis erhielten (auch das sagt schon viel, oder ...? ). Lediglich der „Mundproviant“ war mitzubringen. Weiters legte er ein rund 12 Kilometer langes Wegenetz bis in die Berge der Sierra del Teix an, das noch heute erhalten ist. An den schönsten Aussichtspunkten ließ er so genannte Miradores errichten, kleine Mäuerchen mit Sitzbänken, von denen aus man die Schönheit der Küste und den Sonnenuntergang bewundern konnte.

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Der wunderschöne Garten des Erzherzogs heute.

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Ludwig Salvator war ein äußerst produktiver Autor von zahlreichen faszinierenden Werken, die bei Sammlern hoch im Kurs stehen... Da die Auflagen oft limitiert waren, sind manche Werke richtige Kostbarkeiten. Dank des Einsatzes der Ludwig Salvator Gesellschaft in Wien (Dr. Wolfgang Löhnert) können viele seiner Werke im Internet heruntergeladen werden :arrow: siehe http://www.ludwig-salvator.com/

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Auf Mallorca ranken sich unzählige Legenden und Histörchen um den bis heute geschätzten „Archiduque“, den ungekrönten König der Balearen. Ludwig Salvators besonderes Markenzeichen war seine äußerst nachlässige Kleidung. Er bewegte sich lieber in der Gesellschaft einfacher Menschen, „von denen man oft mehr lernen könne, als von so manchem Gelehrten“, und legte auf sein Äußeres keinen besonderen Wert. Er trug abgewetzte Anzüge oder einfachste Gewänder, hatte die Manschetten mit Spagat zusammengebunden und wurde gelegentlich, zu seiner eigenen Belustigung, für einen Schweinehirten, Matrosen, Koch oder Landarbeiter gehalten. Einmal erhielt er von einem mallorquinischen Bauern, dem er half, einen festgefahrenen Karren aus dem Morast zu ziehen, ein Trinkgeld spendiert. „Mein erstes selbstverdientes Geld“, wie er später voller Stolz erzählte. Am Wiener Hof galt er als gelehrter Sonderling und verkappter Kommunist, und man amüsierte sich sehr über seine einzige Uniform, die mit den Jahren aus allen Nähten platzte. Auf das Gespött ob seines Knitter-Looks meinte der Erzherzog jedoch gelassen: „Lieber vielfältig als einfältig!“

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Der wunderbare Blick aus der einstigen Villa des sympathischen Erzherzogs.

Viele Geschichten beschäftigen sich auch mit dem Liebesleben des Erzherzogs, der, niemals verheiratet, den Reizen beider Geschlechter und insbesondere der Schönheit der Mallorquinerinnen zugetan war. Seine zahlreichen unehelichen Kinder soll der Erzherzog wohl versorgt haben. Einen besonderen Stellenwert in diesem amourösen Kaleidoskop nimmt die Tischlerstochter Catalina Homar ein, die unter den Fittichen ihres Mentors eine exzellente Ausbildung genoss, mehrere Sprachen erlernte und zur Verwalterin seiner Weingüter avancierte. Zentrum ihres Lebens war das von Ludwig Salvator nach einem Vorbild auf den Liparischen Inseln selbstgeplante kleine Landhaus S'Estaca. Auf den angrenzenden Ländereien reiften unter anderem auch Malvasier-Trauben, für deren Weine der Erzherzog und seine Winzerin eine Vielzahl von Preisen bei internationalen Ausstellungen, sogar in Amerika, erhielten. Auf einer Reise nach Jerusalem soll sich Catalina die Lepra zugezogen haben, an der sie 1905 verstarb. Heute wird das Haus S'Estaca von Hollywood-Star Michael Douglas bewohnt, der ein großer Fan des „Archidux“ ist und jüngst in Valldemossa das Infozentrum „Costa Nord“ initiiert hat.

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Portrait des jungen Erzherzogs.

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Ludwig Salvator war mit „Sisi“ (= Kaiserin Elisabeth) befreundet, die den Erzherzog sehr schätzte. Sie besuchte ihn zweimal mit ihrer Yacht Miramar auf Mallorca. Besonderes Getuschel am Wiener Hof erregte ihre Abwesenheit am Heiligen Abend des Jahres 1892, ihrem 55. Geburtstag, den sie statt mit ihrem asketischen Mann mit ihrem wohlbeleibten Cousin verbrachte. „Ich hoffe, dass der dicke Luigi für Dein Wohlergehen sorgt“, telegraphierte der besorgte Kaisergemahl.

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Der Erzherzog interessierte sich auch für den Fortschritt der Technik, der in den großen Weltausstellungen der damaligen Zeit dargestellt wurde. Im Jahr 1881 entschloss er sich, die Weltausstellung in Melbourne, Australien, zu besuchen. Den überzeugten Pazifisten begeisterte die seiner Ansicht nach friedensfördernde Wirkung solcher Großereignisse. In seinem 1911 - also drei Jahre vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges - erschienenen Büchlein „Einiges über Weltausstellungen“ schrieb er: „Wie viele Vorgefasste Meinungen, wie viele Vorurteile werden beim Kennen eines anderen Volkes, beim Leben in seinem Lande abgestreift. Ich behaupte, dass wenn sich die einzelnen Völker besser kennten, sie sich auch nicht anfeinden würden.“ Auch brachte er Gedanken für die Gestaltung der Weltausstellungsplätze ein, wie etwa die Forderung nach einer behindertengerechten Infrastruktur („Rollstuhleignung“).

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Das Schlafzimmer des Erzherzogs.

Als im Jahr 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, musste Ludwig Salvator auf kaiserlichen Befehl auf das Schloss Brandeis bei Prag zurückkehren. Während des Krieges gab der bereits sterbenskranke Erzherzog - er litt an Elephantiasis http://de.wikipedia.org/wiki/Elephantiasis - sein letztes Werk „Zärtlichkeitsausdrücke und Koseworte in der friulanischen Sprache“ heraus („Magari un pagnut in dìe vuarê-si ben, benedete!“ - „Ein Stück Brot täglich ist auch genug, wenn man nur einander liebt, mein Schatz!“).

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Er würde sich sicher freuen, über die vielen Blumen, die hier heute noch blühen...
Die ... Begeisterung, die wir beim Betrachten der Natur empfinden, ist eine Erinnerung an die Zeit, da wir Tiere, Bäume, Blumen und Erde waren ... das Wissen um unser Einssein mit allem, was die Zeit vor uns verborgen hält. Leo N. Tolstoi

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