"Mauritia": Forscher finden Mikrokontinent unter dem Meer

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"Mauritia": Forscher finden Mikrokontinent unter dem Meer

Beitrag von mare-mundi Redaktion » 26 Feb 2013 18:07

"Mauritia": Forscher finden Mikrokontinent unter dem Meer

Unter den Inseln Mauritius und Réunion liegt ein kleiner, bisher nicht bemerkter Kontinent im Indischen Ozean. Er ist bei weitem nicht der einzige dieser Art. Doch seine Entdeckung könnte Folgen haben - etwa für die Größe von Frankreichs Staatsgebiet.

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Bild
Sonnenuntergang auf Mauritius: Vulkaninsel auf einem Mini-Kontinent
dapd

London/Hamburg - Ein internationales Forscherteam um den Geologen Trond H. Torsvik von der Universität Oslo hat unter den Inseln Réunion und Mauritius ein Kontinentalfragment nachgewiesen. Ihre im Fachblatt "Nature Geoscience" veröffentlichte Studie nennt den Mikrokontinent "Mauritia".

Die Inseln selbst sind vulkanischen Ursprungs. Die Forscher gehen davon aus, dass vulkanische Aktivitäten vor circa 65,5 Millionen Jahren Magma an die Oberfläche brachten, das sich auf das kontinentale Gestein legte und es so maskierte. Das Magma transportierte dabei allerdings Spuren des bis zu 1,9 Milliarden Jahre alten kontinentalen Gesteins an die Oberfläche: Bei der Untersuchung von vulkanischem Sand an den Stränden von Mauritius fanden die Forscher Kristalle des Minerals Zirkon. Weil sich das vornehmlich in Graniten bildet, dem Sockelgestein der Kontinentalplatten, gilt es als Indikator für das Vorhandensein einer solchen kontinentalen Platte.
Kontinentale Platten unterscheiden sich von ozeanischen Platten sowohl in ihrer Dichte als auch in ihrer Dicke. Durch Messung von Gravitationsdaten wiesen die Forscher um Trond H. Torsvik nach, dass das Krustengestein unter Mauritius eine Dicke von bis zu 30 Kilometer aufweist - typisch für Kontinentalplatten, nicht aber für ozeanischen Boden.

Mit der sogenannten Schwerefeldmessung lässt sich die Massenverteilung der Erde bis in eine Tiefe von circa 200 Kilometer erfassen. Meist geschieht das per Satellit: Beobachtet werden unter anderem Abweichungen in der Höhe des Meeresspiegels, aber auch der Einfluss unterschiedlich großer Gravitation auf den messenden Satelliten selbst, der beispielsweise beim Überflug eines Bergmassivs einer messbar höheren Kraft ausgesetzt ist. Da schwere Materialien mit hoher Dichte und große anstehende Massen stärkere Effekte zeigen, lassen sich aus solchen Messungen Rückschlüsse auf die im Untergrund zu findenden Materialien ziehen.

Die Forscher bestätigten mit ihrer Studie eine seit langem verfolgte Hypothese: Demnach soll die Inselgruppe des sogenannten Maskarenen-Plateaus, das östlich von Madagaskar auf Höhe von Réunion beginnt und sich nördlich bis hinauf zu den Seychellen erstreckt, auf kontinentalen Fragmenten fußen. Die sollen beim Auseinanderbrechen von Madagaskar und Indien vor rund 83 Millionen Jahren entstanden sein.

Kontinente und Mikrokontinente

Der Theorie der Plattentektonik folgend bewegen sich die Landmassen ständig auf den zähflüssigen Gesteinen, die darunter liegen. Prinzipiell sind darum alle Kontinente Bruchstücke, Produkte des Auseinanderbrechens der Ur-Superkontinente. Die heutigen sieben Kontinente sind Bruchstücke von Pangäa, das zunächst in die beiden Großkontinente Laurasia und Gondwana zerfiel, aus denen wiederum die heutigen Kontinente der nördlichen und südlichen Hemisphäre hervorgingen.

Alle Bruchstücke kontinentaler Kruste, die kleiner sind als Australien, nennt man Mikrokontinente oder Kontinentalfragmente - sie werden nicht als eigenständige Kontinente gezählt, was letztlich aber eine willkürliche Festlegung ist. Es gibt davon allerdings auch eine ganze Menge. Eigenes Kontinentalgestein unter den Füßen haben beispielsweise die Einwohner von Neuseeland. Sie stehen auf dem Mikrokontinent Zealandia, der immerhin mindestens halb so groß ist wie Australien - allerdings liegt er zum größten Teil unter Wasser.

Andere Beispiele für Kontinentalfragmente findet man westlich von Island (Jan Mayen), unter Madagaskar, bei Tasmanien, unter Jamaika, Hispaniola und Kuba, nördlich von Schottland, westlich von Irland, südwestlich von Australien und an vielen anderen Orten der Welt. Der Status zahlreicher weiterer, vermuteter Kontinentfragmente ist umstritten. Und natürlich fußt nicht jede Insel auf einem kontinentalen Sockel: Hawaii beispielweise ist das Produkt vulkanischer Aktivität auf ozeanischer Kruste. Die Europa vorgelagerten britischen Inseln wiederum fußen auf dem europäischen Kontinentalsockel. Auch so etwas ist häufig - so wie Mikrokontinente.

Wichtig für Nutzungsrechte

So ist der Nachweis von Mauritia also bemerkenswert, aber keine geologische Revolution. Für die Staaten, die auf dem Festlandsockel von Mauritia liegen, könnte die Entdeckung trotzdem höchst relevant sein. Die Größe der sogenannten Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ), salopper als 200-Meilen-Zone bekannt, in der Staaten Nutzungsrechte für Fisch und Rohstoffe beanspruchen können, wird nicht nur über die Küstenlinie, sondern auch über den Festlandsockel definiert, der dieser Küste vorgelagert ist.
Ein Thema, das immer wieder für hitzige Debatten sorgt - etwa wenn es um Schürf- und Bohrrechte in den arktischen Gebieten oder um Fischereirechte geht. Neuseeland prüft zurzeit, ob es rechtlich möglich ist, die AWZ des Landes - schon jetzt die fünftgrößte der Welt - für die Gewinnung von exklusiven Öl- und Gasbohrrechten noch einmal erheblich zu erweitern. Angedacht ist, die 200-Meilen-Zone dem Festlandsockel des Mikrokontinents Zealandia folgend zu erweitern.

Mauritius ist eine eigenständige Republik, das benachbarte Réunion hingegen gehört zu Frankreich - es ist eines der verbliebenen Übersee-Départements. Gut möglich also, dass man von Mauritia noch hören wird. Vor dem möglichen Streit aber müsste erst einmal die Größe des Mikrokontinents erfasst werden: Bisher weiß man nicht mehr, als dass er offenbar existiert.

Von Frank Patalong

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