EU treibt europaweites Plastiktüten-Verbot voran

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Matthias
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EU treibt europaweites Plastiktüten-Verbot voran

Beitrag von Matthias » 13 Jul 2011 21:28

http://www.welt.de/dieweltbewegen/artic ... voran.html

Brüssel will ein europaweites Verbot von Plastiktbeuteln erwirken - aber ist das ökologisch sinnvoll? Eine überraschende Bestandsaufnahme.

Die Plastiktüte stirbt einen Tod auf Raten: In Frankreich und Italien ist ihr Schicksal schon besiegelt, genau wie in Großbritannien, China, Australien und in einer Handvoll US-Bundesstaaten, wo mit Abgaben oder Teilverboten gegen die Tüte vorgegangen wird.

Auch die Deutschen müssen sich wohl damit abfinden, ihre Einkäufe künftig in Jute oder Papier zu stopfen. Denn Brüssel will ein europaweites Verbot der Plastikbeutel. Umweltkommissar Janez Potocnik präsentierte zu diesem Zweck einschlägige Statistiken: Jeder Europäer verwende durchschnittlich 500 Tüten pro Jahr.

Allein im Mittelmeer trieben derzeit rund 250 Milliarden Kunststoffteilchen mit einem Gesamtgewicht von 500 Tonnen. Bis zu ihrer Zersetzung könnte es Jahrhunderte dauern. Noch bis August läuft daher eine Online-Befragung, in der Bürgerinnen und Bürger ihre Meinung kundtun dürfen. Mindestens eine Besteuerung des Polyethylenbeutels dürfte dabei herausspringen - wenn er nicht sogar ganz aus den Supermärkten verbannt wird.

Der Verlust für die deutsche Alltagskultur wäre verschmerzbar. Hübsch waren sie ohnehin nie, die Taschen von Aldi, Lidl, Edeka & Co. Außerdem: Wirklich praktisch sind die Plastikfetzen selten, zumindest wenn es um die dünnwandige Variante geht, die im Gemüsesortiment anzutreffen ist. Aber ihre Ökobilanz? Studien zeigen, dass eine Tüte durchschnittlich 25 Minuten benutzt wird. Allerdings landet sie in Deutschland nach ihrer tragenden Rolle nicht direkt im Müll. Etwa drei Mal nutzen die Deutschen ihre Plastikbeutel. Die jährliche Verbrauchsquote liegt damit weit unterhalb des EU-Durchschnitts - nämlich bei 65 Tüten pro Bürger.

Gleiches gelte für wiederverwertbare Tüten aus Maisstärke, bei deren Produktion Pestizide zum Einsatz kommen. Wenn also schon das ökologische Karma der Plastiktüte recht uneindeutig ausfällt: Welche Bilanzen weisen andere Alltäglichkeiten auf? Eine kleine Bestandsaufnahme.

Google versus Bibliothek

Riesige Serverfarmen, gigantische Datenmengen: Jede Internetabfrage kostet Strom. Wie Forscher der TU Dresden errechneten, ist der Energiehunger des Internets immens. Demnach soll das Web um 2030 bereits so viel Strom verbrauchen wie heute die gesamte Weltbevölkerung. Eine Suche bei Google beispielsweise verursacht laut Unternehmensangaben 0,2 Gramm Kohlendioxid - das entspricht einem Energieverbrauch von 0,0003 Kilowattstunden.

Der Betrieb des eigenen PCs, Tablets oder Smartphones ist dabei nicht einberechnet. Und das, obwohl eine durchschnittliche Abfrage gerade einmal 0,2 Sekunden dauert. Einen Vergleich liefert der Konzern gleich mit: Der Wert entspreche in etwa der Energie, die der menschliche Körper in zehn Sekunden verbrennt. Sollte man deshalb also seine Internetrecherchen einschränken? Wohl eher nicht. Wer statt einer Google-Suche ganz altmodisch per Auto in die nächste Bibliothek fährt, verbraucht schließlich ein Vielfaches an Ressourcen.

Vogel versus Katze

Der größte Klimafeind unter den Haustieren ist die Katze. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Beratungsunternehmens Climate Partner. Demnach fällt bei Katzen allein für die Herstellung von Tiernahrung und deren Verpackung pro Jahr rund eine Tonne CO2 an.

Die Müllentsorgung von Futterdosen und nicht kompostierbarer Katzenstreu bei Wohnungshaltung belastet das Klima zusätzlich mit weiteren 1250 kg Kohlendioxid. Hinzu kommt der Wasserverbrauch für die Reinigung des Katzenklos. Bei einem Dackel fallen dagegen wegen der geringeren Müll- und Energiekosten lediglich 1850 Kilogramm CO2 an. Aus ökologischen Gesichtspunkten ist der Kanarienvogel mit nur 28 Kilogramm Kohlendioxidverbrauch im Jahr das ideale Haustier.

Steak versus Gemüse

Gemüse auf dem Grill belastet die Umwelt weniger als Fleisch. Das ergibt die Studie des TÜV Rheinlandes zur Ökobilanz beim Grillen. Wenn statt Rindfleisch lieber Gemüse gegrillt würde, fielen 18 Prozent weniger klimaschädliche Emissionen an. Klimasünder ist demnach vor allem Rindfleisch, gefolgt von Grillkäse.

Hähnchenfleisch liegt im Mittelfeld. Schwein und Würstchen schneiden noch deutlich günstiger ab. Aber am besten für das Klima ist gegrillter Mais. Je nach Grillmethode mit Kohle, Gas oder Strom beträgt der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid an einem Grillabend mit acht Personen nach TÜV-Angaben zwischen 17,5 und 18 Kilogramm.

Dies entspreche einer Autofahrt von etwa 120 Kilometern mit einem mittelgroßen Wagen, heißt es. Ein Grillabend ohne Rindfleisch und Käse schlägt dem TÜV zufolge nur mit knapp 15 Kilogramm Kohlendioxid zu Buche.

Bioapfel versus Flugapfel

Geröstete Termiten, ein Palmrüsselkäfer-Barbecue - steht das auf der Speisekarte von morgen? Für zahllose Menschen in Afrika, in Asien und Lateinamerika gehören Insekten schon lange zu den Nahrungsmitteln - vor allem dort, wo Fleisch und Fisch rar sind. Weil knapp eine Milliarde Menschen weltweit hungern und es auch sonst gute Gründe dafür gibt, kommt die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) auf die etwa 1000 essbaren Insektenarten auf der Erde zurück.

Sie startete vor einiger Zeit eine Kampagne, um diese eiweißreichen Tiere auf leere Teller zu bringen. Ob aber hierzulande bald die frittierte Wasserwanze das Steak ersetzt? Wohl eher nicht. Die Aktion richtet sich vor allem an Länder im asiatisch-pazifischen Raum.

Der ökologische Fußabdruck der Insekten ist laut FAO jedenfalls gering: Grillen etwa fressen um ein Vielfaches weniger als Rinder, um die gleiche Proteinmenge aufzubauen. Sie tragen auch weniger zu den Treibhausgasen bei und können in vielen Fällen auf organischem Abfall aufwachsen. Gute Gründe, warum Insekten auch bei uns bald auf dem Tisch landen könnten.
Unter allen Lebensweisen ist das Jagdleben ohne Zweifel der gesitteten Verfassung am meisten zuwider; das Noachische Blutverbot scheint uranfänglich nichts anderes als das Verbot des Jägerlebens gewesen zu sein.

Kant, Immanuel

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