so fern von der "Zivilisation" Midway Island ...

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so fern von der "Zivilisation" Midway Island ...

Beitrag von Caro » 12 Jun 2012 17:39

... auch ist - den Albatrossen wird auch dort unser Plastikmüll zum tödlichen Verhängnis.

Eine wichtige und aber auch sehr traurige Videodokumentation eines befreundeten brasilanischen Naturschützers.
http://www.midwayfilm.com/

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Re: so fern von der "Zivilisation" Midway Island ...

Beitrag von horstartur » 12 Jun 2012 19:27

Hi Caro,

es es ist wichtig, immer wieder auf die Probleme aufmerksam zu machen. Allerdings habe ich schon 2009 die Berichte von Chris Jordan gesehen. Die gingen ja um die Welt. Das Plastik-Problem im Pazifik (und nicht nur da) ist ja hinreichend bekannt > auch durch Satellitenaufnahmen.

http://www.chrisjordan.com/gallery/midw ... 13%2018x24
http://www.youtube.com/watch?v=gbqJ6FLfaJc

Ich fürchte nur, dass Entscheidungsträger und Verursacher (wir alle) über ein Kopfschütten (wenn überhaupt) nicht hinauskommen.

Nur so nebenher, da ich gerne provoziere: 1 % Gene in Lebensmitteln ( so kam das in einigen Nachrichten :lol: ) sind sicher weniger problematisch als die Vernichtung der Umwelt durch viele Einzelfaktoren.
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Re: so fern von der "Zivilisation" Midway Island ...

Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 17 Jun 2012 13:23

horstartur hat geschrieben: Nur so nebenher, da ich gerne provoziere: 1 % Gene in Lebensmitteln ( so kam das in einigen Nachrichten :lol: ) sind sicher weniger problematisch als die Vernichtung der Umwelt durch viele Einzelfaktoren.
Die Bilder schockieren immer wieder, weil es so weit weg ist, und doch holt es die Lebewesen ein, selbst am Ende der Welt...

Lieber Horst, ich denke oft über dieses Problem nach. Wir alle, die allermeisten Menschen, sind über so spezifische Fragen zu wenig aufgeklärt, wir sind zu ungebildet. Es ist auch recht schwierig ein Thema wie Genetik oder Klimawandel zu verstehen, es ist praktisch unmöglich sich ein auch nur annähernd realistisches Bild zu machen... Wer weiß schon wirklich, was Gentechnik alles umfasst? Ein ähliches Problem ist das geschwindelte Etikett "Bio" und Öko" bzw. auch "Grün" und "Green". Lange Zeit haben die Naturschutzorganisationen wie Greenpeace für "grüne Energie" und Atomkraft gekämpft. Heute haben sich Lobbys, Konzerne, Investoren und Politiker des Themas angenommen und machen damit Riesenprofite - und sie vernichten dabei unsere Welt gnadenlos. Wie eine Herde von dummen Ochsen lässt sich die Menschheit irreführen, und manche beruhigen sogar mit völlig falschen Vorstellungen ihr Gewissen. Alle fürchten sich hysterisch vor dem Klimawandel, reden von "sauberen Energiequellen" (sind es Wasserkraftwerke wirklich?). Es ist einer der größten Schweinereien der Gegenwart, und da müssen wir gar nicht nach Südostasien gehen oder nach Südamerika, auch der Maisanbau in der Monokultur bei uns vernichtet Biodiversität - für den "guten Zweck" der "grünen Energiepolitik". Man macht daraus "Biogas"... Man muss heutzutage ständig alles hinterfragen und darf nichts leichtgläubig als fertige Meinung akzeptieren. Bildung ist wohl der einzige Weg, wie man dem Problem begegnen kann, und darum... werde nicht müde die Menschen über Gene aufzuklären ... :wink: Gene sind an und für sich nichts Böses, so wie der Klimawandel nichts Böses ist, sondern etwas, was es immer schon gegeben hat! Wer glaubt dem Klimawandel dadurch begegnen zu können, dass er Biogas und andere "Bioprodukte" mit dem Etikett "grün" verwendet, erliegt oft einer tragischen Täuschung. Die tollen Maisfelder-Monokulturen für unser Biogas breiten sich aus wie ein Krebsgeschwür - und bringen den sicheren Tod für das allermeiste Leben in unseren Breiten. Wir alle wissen, was mit dem Palmöl los ist, mit dieser Riesensauerei, die Orangs vernichtet und die Regenwälder. Für viele dieser Dinge fließen auch unsere Steuergelder, Förderungen der EU, Förderungen, mit denen Natur vernichtet und nicht bewahrt wird. Der Lernprozess hört nie auf, die Probleme werden immer komplexer - und wir müssen täglich alles neu hinterfragen und unsere Meinungen den Tatsachen anpassen...
Die ... Begeisterung, die wir beim Betrachten der Natur empfinden, ist eine Erinnerung an die Zeit, da wir Tiere, Bäume, Blumen und Erde waren ... das Wissen um unser Einssein mit allem, was die Zeit vor uns verborgen hält. Leo N. Tolstoi

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Re: so fern von der "Zivilisation" Midway Island ...

Beitrag von RogerT » 18 Jun 2012 09:57

Hallo Robert,

klasse Beitrag, danke.

Das Problem auf unserem Planeten sind einfach die zu vielen Menschen mit ihren Bedürfnissen.
Wenn wir nur 1 oder max. 2 Milliarden wären, hätten wir fast keine Probleme; weder umwelttechnisch noch von den Recourcen her. Aber mit >7 Milliarden sind wir einfach zu viele; der Mensch an sich ist auch für ein dauerhaftes Überleben auf diesem Planeten zu dumm und zu egoistisch. Jeder will einen gehobenen Lebenstandard mit Auto, Flachbild-TV, jeden Tag Fleisch auf dem Teller und allen anderen Errungenschaften der Menschheit. Gerade Länder wie Indien, China und die aufstrebenden Länder in Südamerika wollen endlich auch an diesem Lebensstandard teilhaben und sehen überhaupt nicht ein, warum sie einfach zu spät kommen und es nicht mehr so viel zu verteilen gibt. Also wird der Planet ohne Rücksicht auf Verluste geplündert.

Das wäre doch einmal eine korrekte Globalisierung: einfach mal umfassend global denken und handeln. Aber wie gesagt, der Mensch ist zu dumm und egoistisch, schade, so wird das auf Dauer nichts mit uns...

Gruss
Roger
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Re: so fern von der "Zivilisation" Midway Island ...

Beitrag von horstartur » 18 Jun 2012 18:03

Caro hat das Plastik-Problem mit ihrem Link erneut deutlich gemacht :thanks:
Wichtig sind dazu auch die Beiträge von Robert und Roger.
Résumé: Ökonomie versus (prior to) Ökologie,
Ideologie vor sachlicher Diskussion (siehe überstürzter Atomausstieg, Gentechnik, falsch verstandener Tierschutz etc.)

Zu der Plastik-Problematik: Die Angelegenheit ist viel subtiler. Die Plastikfeuerzeuge etc. im verendeten Albatross sind mit bloßem Auge zu erkennen, nicht aber das sandkorngroße Plastikgranulat am Meeresboden und Stränden
http://www.wissenschaft.de/wissenschaft ... 40776.html

Durch Weichmacher und andere Chemikalien (auch hormonähnliche) ist die Umwelt einschließlich Mensch mehr gefährdet als durch einige "Gen"-Tomaten (die übrigends ungefährlich sind, weil ihnen ein Gen fehlt). Auch der Absturz eines Jumbo auf ein Atomkraftwerk ist äußerst selten. Ich vermute mal, daß Angela Merkel als promovierte Physikerin den übereilten Atomausstieg bereits innerlich bereut und nur aus wahltaktischen Gründen (im Sinne der Ideologen - siehe oben) diese Entscheidung getroffen hat.
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Re: so fern von der "Zivilisation" Midway Island ...

Beitrag von RogerT » 18 Jun 2012 19:42

horstartur hat geschrieben:Zu der Plastik-Problematik: Die Angelegenheit ist viel subtiler. Die Plastikfeuerzeuge etc. im verendeten Albatross sind mit bloßem Auge zu erkennen, nicht aber das sandkorngroße Plastikgranulat am Meeresboden und Stränden
Das landet alles in der Nahrungskette und irgendwann bekommen wir es wieder...
Durch Weichmacher und andere Chemikalien (auch hormonähnliche) ist die Umwelt einschließlich Mensch mehr gefährdet als durch einige "Gen"-Tomaten (die übrigends ungefährlich sind, weil ihnen ein Gen fehlt). Auch der Absturz eines Jumbo auf ein Atomkraftwerk ist äußerst selten.
Jupp, aber das ist Ideologie, dagegen gibt es keine Vernunft.
Ich vermute mal, daß Angela Merkel als promovierte Physikerin den übereilten Atomausstieg bereits innerlich bereut und nur aus wahltaktischen Gründen (im Sinne der Ideologen - siehe oben) diese Entscheidung getroffen hat.
Sie trifft Entscheidungen nur noch als Politikerin, nicht als Wissenschaftlerin, und da gelten ganz andere Spielregeln. Kein Politiker kann so handeln, wie er will oder für welche Einstellung er gewählt wurde. Dann ist er ganz schnell weg vom Fenster; hier spielen Faktoren eine Rolle, die nie offen gelegt oder bekannt gemacht werden - Stichwort Lobbyarbeit (andere nennen es Korruption).

Gruss
Roger
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Re: so fern von der "Zivilisation" Midway Island ...

Beitrag von Caro » 18 Jun 2012 20:05

Danke für die Blumen, lieber Horstartur :D

Mir lag eigentlich bei der Threaderöffnung das Thema "Zivilisation" -und das bewusst in Gänsefüßchen"- im Magen.

Ja, womit und worüber kann man die Menschen aufrütteln.
... Nur wenn es klar ist, dass es sie im Einzelnen und individuell betrifft. Z.B. konsumiert man Bioprodukte nicht um die Umwelt zu schonen, sondern weil man Angst um die eigene Gesundheit hat.

Ich freue mich über die tolle Diskussion, die sich jetzt entwickelt hat.

Du, Horstartur, mit der Gentechnik. Da werden wir sozusagen im Diffusen gelassen. Auch ich muss zugeben, dass ich mir über deren Schädlichkeit bis jetzt keine Meinung bilden konnte. Aber eines stört mich gewaltig daran, nämlich dass auf genmanipulierte Erzeugnisse, sei es ein Schwein oder eine Kartoffel, Patentrechte gebildet werden. Also dass ein Entwickler ein ökonomisches Recht auf ein Naturprodukt und sogar ein Lebewesen erhebt.

Infolge zu dem was Robert sagt - die Maismonokulturen (auch genmanipuliert), die jede Biodiversität und auch unsere europäischen bäuerlichen Kulturlandschaften zerstören.
Jetzt kommt auch noch die Ethik ins Spiel. Ein Lebensmittel wird zur Energiegewinnung großflächig angebaut - und das ist big business !!!!!
Neulich war ich über einen Bericht im TV schockiert ... ein Bäcker hat seine alten, nicht verkauften Semmeln/Brötchen verheizt und das als nachhaltig und klimaschützend mit stolz geschwellter Brust angepriesen ! .... Wieso bäckt/produziert er denn nicht nach dem tatsächlichen Bedarf ???!!!???

Und jetzt passt genau das dazu, was Roger gesagt hat.
Die Gier und das Streben nach dem gehobenen Lebensstandard.
Keiner ist bereit, sich einzuschränken. Nicht mal in den kleinsten Dingen, Konsum.
Deshalb hat der Bäcker Semmeln zum Einheizen. Er muss eine große Varietät an verschiedenen Sorten anbieten. Alles muss ständig verfügbar sein. "Luxus" - Anspruch - Konsum.

Liebe Grüße
Caro
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Re: so fern von der "Zivilisation" Midway Island ...

Beitrag von RogerT » 19 Jun 2012 14:16

Telomere: Die Länge des Lebens
Rein genetisch betrachtet könnten wir Menschen 120 Jahre alt werden. Dass die meisten von uns dies biblische Alter nicht erreichen, hat mit einer Reihe von Dingen zu tun. Eine wichtige Rolle spielen die Telomere - die "Schutzkappen" unseres Erbguts: Je kürzer sie sind, desto schlechter für die Lebenserwartung.

TECHNOLOGIEGESPRÄCHE ALPBACH24.08.2012
Wunderpillen oder Gesundheits-Wahrsagerei soll man sich von der Telomerforschung nicht erwarten, sagt Elizabeth Blackburn, die Pionierin des Forschungsgebiets und Medizin-Nobelpreisträgerin 2009, in einem science.ORF.at-Interview bei den Technologiegesprächen in Alpbach. Die Länge der Telomere sei eher wie das Körpergewicht: eine Zahl, die viele Faktoren integriert.


Elizabeth Blackburn ist Biologin an der University of California in San Francisco. 2009 wurde ihr der Nobelpreis für Medizin verliehen.
Technologiegespräche in Alpbach:
Von 23. bis 25. August finden im Rahmen des Europäischen Forums Alpbach die Technologiegespräche statt, organisiert vom Austrian Institute of Technology (AIT) und der Ö1-Wissenschaftsredaktion. Das Thema heuer lautet " Globale Zukunft – Erwartungen an Wissenschaft und Technologie". Dazu diskutieren Minister, Nobelpreisträger, internationale Experten und Expertinnen u.a.
Links:
Alpbacher Technologiegespräche
Live-Stream der Technologiegespräche
Ö1 Hinweise:
Eine Reihe von Sendungen begleitet das Europäische Forum Alpbach 2012 in Ö1. Die Technologiegespräche stehen im Mittelpunkt von Beiträgen in den Journalen, in Wissen aktuell, in den Dimensionen und bei der Kinderuni.
Mitglieder des Ö1 Club erhalten beim Europäischen Forum Alpbach eine Ermäßigung von zehn Prozent.
science.ORF.at: Sie sind eine begeisterte Skifahrerin?

Elizabeth Blackburn: Ich fahre gerne alpin, das stimmt, habe das aber schon länger nicht mehr getan und mich zuletzt eher auf Langlauf konzentriert. Das ist zwar körperlich sehr anstrengend, aber die Wahrscheinlichkeit, sich oder andere zu verletzen, ist doch viel geringer. (lacht)

Jetzt im August liegt auf den Tiroler Bergen ja relativ wenig Schnee: Bereuen Sie es, dass die Alpbacher Technologiegespräche nicht im Winter stattfinden?

Nein, nein. Ich wandere auch sehr gerne, war heute früh auf dem Gipfel eines Bergs, und es war wunderbar, all die grünen Wälder und Wiesen …

Der vielleicht holprige Übergang zu Ihrer Forschungsarbeit: Wenn Sie länger leben würden, könnten Sie vielleicht noch mehr Skifahren oder wandern. Wo liegt die maximale Lebenserwartung von uns Menschen?

Wir scheinen biologisch auf ein Maximum von 120 Jahren programmiert zu sein. Die allermeisten sterben aber lange vor dieser Zeit. In Entwicklungsländern mit Hunger, Seuchen und schlechter medizinischer Versorgung sind die Gründe evident. Aber auch in den entwickelten Staaten liegen die Hauptursachen für den Tod nicht in den Genen, sondern im Lebensstil. Die drei großen Killer dieser Länder sind Krebs, Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen - und die hängen von einer Reihe von Umweltfaktoren ab.

Für entscheidend halte ich aber nicht den Begriff der "Lebensspanne", sondern der "Gesundheitsspanne" - also jene Zeit, in der Menschen gesund leben und Aktivitäten verrichten können wie z.B. Skifahren. Die biologisch wichtige Frage ist, was uns dazu bringt, sowohl geistig als auch körperlich immer schwächer zu werden, und was man dagegen tun kann. Vieles davon hat mit Krankheitsprozessen zu tun und da spielen unsere Zellforschungen mit hinein.

Sie haben für Ihre diese Forschungen zu Telomeren 2009 den Medizinnobelpreis erhalten. Erzählen Sie bitte kurz, worum es dabei geht.

Die Telomere sind die Enden der Chromosomen, und diese nutzen sich im Laufe der Zellteilungen aus verschiedenen Gründen immer mehr ab. Mit der Telomerase haben wir jenes Enzym entdeckt, das diese Schutzkappen der DNA bis zu einem gewissen Grad wieder herstellt. Bei Menschen funktioniert das aber nicht besonders gut, und so werden die Telomere bei uns im Lauf der Jahre immer kürzer und kürzer. Und das hindert die Zellen zunehmend daran, richtig zu funktionieren.

Die Frage ist nun: Kann man diese Prozesse beeinflussen? In Zusammenarbeit mit Kollegen versuchen wir den Zusammenhang von Risikofaktoren für Krankheiten, unterschiedlichen Telomerlängen und der Wirkung der Telomerase zu quantifizieren. Man kann das auf Zellniveau untersuchen, das ist ganz grundlegend, aber noch wichtiger ist es zu schauen, wie das bei lebenden Menschen funktioniert.

Einer dieser Risikofaktoren ist chronischer Stress, mit dem Sie sich seit geraumer Zeit beschäftigen …

Ja, das ist einer der Faktoren, der sehr wichtig ist für die statistische Wahrscheinlichkeit, eine der drei "Killer-Krankheiten" zu bekommen. Wir wissen, dass chronischer Stress die Telomere verkürzt. Und weil wir wissen, dass das wiederum zu den Krankheiten beiträgt, braucht man nur 2 und 2 zusammenzählen. Wir groß der Effekt der Telomere dabei ist und ob man mit gezielter Stressreduktion tatsächlich etwas verändern kann, wissen wir noch nicht. Ich habe aber wunderbare Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich genau darum kümmern.

Wir beginnen gerade Studien, die sich damit beschäftigen, welche Interventionen die Telomere bei Menschen beständiger machen - körperliche Aktivität etwa zählt dazu. Beobachtungsstudien haben bereits deutlich gezeigt, dass Körperübungen den Zusammenhang von Telomerkürzung und chronischem Stress abschwächen können. Es gibt auch andere Interventionen auf individueller Ebene, und natürlich darf man auch nicht auf die sehr wichtigen sozioökonomischen Gründe für Stress vergessen.

Verkürzt gesagt: Mehr Sport bedeutet längere Telomere?

Das ist der Zusammenhang der Beobachtungsstudien, ja. Ich bin aber sehr vorsichtig, das bedeutet nicht, dass die Körperübung direkt dafür verantwortlich ist. Es sind hunderte von Molekülen in der Zelle, die eine Rolle spielen, die Prozesse sind extrem komplex. Aber wir versuchen das - verzeihen Sie das Wortspiel - "Endresultat" zu quantifizieren (lacht).

Könnte man mit derselben Vorsicht auch sagen: Weniger ungleiche Gesellschaften bedeuten längere Telomere?

Wir wissen mit Sicherheit, dass Personen, die ihre Kindheit in schlechterer sozialer Umgebung zugebracht, weniger Schulbildung genossen haben etc., als Erwachsene Jahrzehnte später kürzere Telomere haben, auch wenn man alle möglichen anderen Parameter aus den Daten herausrechnet.

Sie haben die Firma "Telome Health Inc." gegründet, die die Telomerlängen von Menschen ermittelt. Kann ich das auch nutzen, um etwas über meine Lebenserwartung zu erfahren?

Zum einen: Die Firma wurde gegründet, um eine Forschungsdienstleistung anzubieten. Viele Forscher wollten Telomerlängen messen, wir finden es gut für die Wissenschaft, wenn das in unseren Labors auf die richtige Weise gemacht wird. So wie auch DNA in hochspezialisierten Laboren sequenziert wird: Als Forscher sendet man Material ein und bekommt die Resultate zurück.

Zum anderen: Die Telomerlängen werden auf Betreiben von Medizinern für ihre Patienten untersucht. Die Ergebnisse sind keine Diagnose, sondern geben Wahrscheinlichkeiten für bestimmte Krankheiten an. Das hat nichts mit Wahrsagerei zu tun, sondern ist ein Biomarker wie andere auch. Die Telomerlängen lassen sich mit unserem Körpergewicht vergleichen: eine sinnvolle Information, aber nur im Zusammenhang mit einer Menge anderer klinischer Information; eine Zahl, die viele Faktoren integriert.

Es gibt Hinweise, dass der Grad der Telomerabnützung beeinflussbar ist. Wir sind aber sehr vorsichtig mit der Interpretation der Resultate. Viele Menschen wollen den Test machen und erwarten sich eine Art Kristallkugel für die Zukunft, das ist er aber nicht.

Kennen Sie die Länge Ihrer Telomere?

Noch nicht, ich nehme aber an einer Studie teil, die das misst.

Wenn es soweit ist: Verändert dieses Wissen das Verhalten?

Das versuchen wir gerade bei einer Studie mit 250 Frauen in San Francisco herauszufinden: Was löst das Wissen aus, kurze oder lange Telomere zu haben? Momentan können wir darüber nur spekulieren, an sich sind wir an derartige Wahrscheinlichkeitszusammenhänge ja gewöhnt, wenn man etwa an Cholesterinwerte denkt, die viele Leute von sich kennen.

Oder auch Gentests: Wenn jemand einen solchen macht, erfährt er etwa seine Wahrscheinlichkeit für Hautkrebs. Es gibt Studien, die zeigen, dass Menschen mit der niedrigen Risikovariante sich nicht sofort ins Sonnenstudio begeben und unter die UV-Lampen legen. Die Menschen können also offensichtlich mit der Information über Wahrscheinlichkeiten umgehen, und so ähnlich ist es auch bei den Telomerlängen, denke ich.

Ist die Telomerlänge auch durch pharmakologische Stoffe beeinflussbar?

Nein, bis jetzt sind keine Stoffe bekannt, die eindeutige Effekte haben. Wir arbeiten auch an keinen. Pharmakologische Interventionen könnten in extremen Fällen sinnvoll sein, wenn Menschen aus genetischer Veranlagung extrem kurze Telomere haben. Viele sind von der Idee einer lebensverlängernden "Wunderpille" fasziniert, aber da sollte man nichts übereilen. Vielleicht hätte eine derartige "Wunderpille" unerwünschte Nebeneffekte wie ein erhöhtes Krebsrisiko oder dergleichen.

Aber es gibt da draußen doch sicher mindestens 20 Forschergruppen, die genau daran arbeiten!?

Ja, ja. Es gibt Expertinnen und Experten dafür, aber die Idee ist viel einfacher als die Umsetzung, die klinische Überprüfung und die Einhaltung der Sicherheitsstandards. Wir machen das nicht, aber natürlich gibt es dazu Forschung. Ich bin eine Wissenschaftlerin und denke mir: Je mehr ich über eine Sache weiß, desto besser kann man diese Sache beeinflussen. Vieles wissen wir aber einfach noch nicht.

Interview: Lukas Wieselberg, science.ORF.at
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