Neuentdeckte Spezies ist der am tiefsten lebende Fisch der Welt

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Neuentdeckte Spezies ist der am tiefsten lebende Fisch der Welt

Beitrag von Helmut Wipplinger » 05 Dez 2017 10:01

Neuentdeckte Spezies ist der am tiefsten lebende Fisch der Welt

http://derstandard.at/2000068730127/Neu ... h-der-Welt
www.mare-mundi.org
www.boxfish.at

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Re: Neuentdeckte Spezies ist der am tiefsten lebende Fisch der Welt

Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 05 Dez 2017 13:26

... das verschiebt den Rekord ziemlich gewaltig in die Tiefe ... Und, leider können da die Haie nicht mithalten, so tief schaffen es Knorpelfische nicht ...
Die ... Begeisterung, die wir beim Betrachten der Natur empfinden, ist eine Erinnerung an die Zeit, da wir Tiere, Bäume, Blumen und Erde waren ... das Wissen um unser Einssein mit allem, was die Zeit vor uns verborgen hält. Leo N. Tolstoi

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Re: Neuentdeckte Spezies ist der am tiefsten lebende Fisch der Welt

Beitrag von Vampirtintenfisch » 05 Dez 2017 14:22

theoretisch könnte es aber auch Haie so tief geben, oder gibt es da grundsätzliche limitierende physikalische Gründe?

Wer weiß was da unten noch alles lebt...

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Re: Neuentdeckte Spezies ist der am tiefsten lebende Fisch der Welt

Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 06 Dez 2017 18:22

... ein kurzer Auszug aus "Im Bann des Ozeans" (erscheint erst im März 2018 https://mare-mundi.eu/neues-buch-fuer-m ... eint-bald/ ):

Der unvorstellbare Druck um die 800 bar stellt Fische in solchen Tiefen vor zahlreiche physiologische Probleme. So lange ein Lebewesen sozusagen „flüssigkeitsgefüllt“ ist und keine gasgefüllten „Hohlräume“ hat, ist es halbwegs sicher, denn Flüssigkeiten sind anders als Gase nicht komprimierbar. Doch bei 800 bar hydrostatischem Druck geht es den Lebewesen schon im wahrsten Sinn des Wortes an die Substanz, nämlich an die Substanz ihrer Proteine. Und so hat sich die Evolution auch hierbei etwas einfallen lassen: Trimethylamin-N-oxid, abgekürzt TMAO. Dieser Stoff stabilisiert Proteine in Zellen von Fischen gegenüber dem enormen Druck. Der Gehalt an TMAO in Knochenfischen erzählt eine klare Geschichte: In seichten Gewässern finden sich 40 mmol/kg (Milimol pro Kilogramm) davon im Gewebe, in 4.850 Metern Tiefe bereits 261 mmol/kg. Ein im Kermadecgraben auf 7.000 Metern Tiefe gefangener Notoliparis, der zur erwähnten Familie der Scheibenbäuche zählt, brachte es auf 386 mmol/kg TMAO. Doch irgendwann hilft auch dieser Schutzstoff nicht mehr. Unterhalb einer Tiefe von etwa 8.200 Metern können Fische nicht mehr leben, weil TMAO dann das für die Muskelbewegung verantwortliche Myosin destabilisiert.

... und speziell Knorpelfische (wobei der genaue physiologische Grund, warum dieser Unterschied zu Knochenfischen besteht, nicht erklärt wird ... :oops: ). Da müssen wir noch nachforschen, wäre ein schönes kleines Projekt für das Forum ...

Einige Knorpelfische sind sehr wohl auf größere Tiefen bis 3.000 Meter und etwas darunter adaptiert, doch gibt es so gut wie keine Nachweise für extreme Tiefen des Abyssals oder gar des Hadals. Im Atlantik und dem Mittelmeer wurden unterhalb von 2.500 Meter gar keine Knorpelfische mehr festgestellt, und das tiefste Vorkommen markierte der Sechskiemer Hexanchus und der Laternenhai Etmopterus 2.490 Meter (im Mittelmeer) und 3.396 Meter in der Nähe des Mittelatlantischen Rückens. Knochenfische findet man in diesen Tiefen und auch noch doppelt so tief hingegen in größerer Vielfalt.
Pelagische Haie – also Arten des Freiwassers – sind ohnehin nur bis 1.500 Tiefe zu finden. Wenn sie in der Tiefe leben, dann am ehesten an den Kontinentalhängen in der Nähe des Grundes. Zu den typischsten Tiefseehaien zählen die bereits erwähnten Laternenhaie, von denen wir bis zu 44 Arten kennen. Einige von ihnen haben sich darauf spezialisiert in große Tiefen bis über 4.000 Meter vorzudringen. Doch die ausgedehnten abyssalen Tiefseeebenen scheinen praktisch frei von Knorpelfischen zu sein. Neuere Studien kommen immer mehr zum Schluss, dass vereinzelte Beobachtungen aus großen Tiefen nur Ausnahmen waren, und Haie bei etwa 3.000 Metern die untere Verbreitungsgrenze haben. Die Hoffnung mancher Fantasten und Kryptozoologen über Megalodon, der sich irgendwo in der Tiefsee versteckt, können wir damit getrost vergessen.
Die ... Begeisterung, die wir beim Betrachten der Natur empfinden, ist eine Erinnerung an die Zeit, da wir Tiere, Bäume, Blumen und Erde waren ... das Wissen um unser Einssein mit allem, was die Zeit vor uns verborgen hält. Leo N. Tolstoi

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