Immer weniger große Meerestiere – MareMundi informiert

In den Ozeanen gibt es immer weniger große Tiere, warnen Wissenschaftler in Science. Der Verlust gerade großer Arten ist im erdgeschichtlichen Vergleich einzigartig und wird unabsehbare Folgen für das Ökosystem Ozean haben. Jonathan L. Payne und sein Team schreiben: We find that extinction threat in the modern oceans is strongly associated with large body size, whereas past extinction events were either nonselective or preferentially removed smaller-bodied taxa. Pelagic animals were victimized more than benthic animals during previous mass extinctions but are not preferentially threatened in the modern ocean. The differential importance of large-bodied animals to ecosystem function portends greater future ecological disruption than that caused by similar levels of taxonomic loss in past mass extinction events.

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Der Bestand der Hammerhaie (Sphyrnidae) ist in den Weltmeeren um alarmierende 89 Prozent zurückgegangen. Wir sind Zeugen der massivsten menschenverursachten Artenvernichtung aller Zeiten – und die meisten von uns sehen dabei tatenlos und ohnmächtig zu. Der Rückgang des Weißen Hais (Carcharodon carcharias) liegt bei 80 %. Nicht besser ist es mit pelagischen Haiarten, also Arten des offenen Ozeans wie etwa Weißspitzen-Hochseehaien (Carcharhinus longimanus) (93 %), aber genauso auch Knochenfischen wie Schwertfischen (Xiphias gladius). Die letztere Art ist nach Angaben des IUCN speziell im Mittelmeer stark gefährdet: Globally, this species has shown a 28% decline over three generation lengths (20 years). The only stock that is not considered to be well-managed is the Mediterranean, which comprises less than 10% of the species‘ global range. 

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Ein Bild mit Symbolcharakter: Ein kleiner Dornhai (Squalus acanthias) wurde einem gefangenen Muttertier entnommen und von den Fischern weggeworfen. Große Arten und große Individuen vieler Arten werden immer seltener. Nach dem IUCN: Based on evidence of declines in various parts of the species‘ range, and ongoing over-exploitation by target and bycatch fisheries, it is inferred that there has been a decline of >30% in the global population over the last 75 years (approximately three generations for this species). If these threats continue unabated, the species is expected to declines at a similar rate over the next three generations. The Spiny Dogfish is therefore assessed as Vulnerable. 

Der imposante Rote Tun oder Blauflossentun (Thunnus thynnus), der einst bis in die Nordadria vorgekommen ist, um dort zu laichen . Foto: Wikipedia, National Oceanic & Atmospheric Administration (NOAA), Photo Library, http://www.photolib.noaa.gov

Der imposante Rote Tun oder Blauflossentun (Thunnus thynnus), der einst bis in die Nordadria vorgekommen ist, um dort zu laichen, gehört zu jenen großen Arten des Ozeans, die durch den Menschen an den Rand der Ausrottung getrieben wurden. Foto: Wikipedia, National Oceanic & Atmospheric Administration (NOAA), Photo Library, http://www.photolib.noaa.gov. Wie das Wissenschaftsmagazin Spektrum berichtet, sind viele der großen Spezies Top-Prädatoren, Spitzenraubtiere, welche die Populationen kleinerer Arten in Zaum halten. Werden sie aus dem Ökosystem entfernt, beginnt eine Kettenreaktion, die im schlimmsten Fall das komplette Ökosystem durcheinanderbringt. Die explosive Zunahme des Dornenkronenseesterns (Acanthaster planci) in Korallenriffen führen Meeresbiologen auf den Verlust von räuberischen Tritonshornschnecken zurück, die massenhaft für Souvenirs abgesammelt wurden.

 

Es geht somit um ökologische Zusammenhänge, gesetzmäßige und logische Kettenreaktionen. Ökologische Gesetzmäßigkeiten funktionieren genauso zuverlässig wie etwa physikalische oder chemische und sind keine Erfindung von Meeresschützern.  Bereits Schüler lernen bei MareMundi diese elementare ökologische Tatsache, die Erwachsene nicht wahrhaben wollen: Veränderst Du ein kleines Glied im unendlich komplexen Nahrungsnetz des Weltmeeres, verändert sich das gesamte marine Ökosystem, und das ausnahmslos mit verheerenden Folgen. Die Beispiele dafür sind zahllos: Wenn Haie fehlen, vermehren sich Schnapper, die wiederum häufiger Arten wie Papageifische fressen. Letztere ernähren sich stark von Algen und sorgen damit dafür, dass Korallen nicht darunter ersticken. Schwinden die Papageifische, leiden die Riffe, schreibt Spektrum.

 

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Vernichtet man die Bestände der Haie, werden die farbenfrohen Riffe durch Algen überwuchert und sterben. So einfach ist die ökologische Rechnung. Es liegt an uns allen aktiv gegen die verheerende Arten- und Naturzerstörung der Gegenwart vorzugehen.

MareMundi leistet dazu einen Beitrag und braucht für seine Meeresschutz-Aktivitäten auch Ihre Hilfe!

 

Quellen
Jonathan L. Payne et al:  Ecological selectivity of the emerging mass extinction in the oceans. Science  14 Sep 2016.
Bericht und Fotos
Dr. Robert Hofrichter, mare-mundi.eu, office@mare-mundi.eu