mare-mundi Station Kreta

Kreta ist im Frühling wirklich wunderschön. Und das trotz all der Umweltschäden, die kaum zu übersehen sind.
Bereits vor Jahren, als ich mit dem WDR die TV-Dokumentation „Bedrohte Paradiese“ gedreht habe, wurde mir die vielerorts katastrophale Umweltsituation in Griechenland schmerzhaft bewusst. In meiner Verzweiflung schrieb ich damals für die Medien einen emotionalen Artikel („Griechenland von allen guten Göttern verlassen?“).

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Rückblickend war er emotional, aber aufrichtig. Er widerspiegelte meine tiefsten Empfindungen, meine Ohnmacht und Hilflosigkeit darüber, warum der Missbrauch der Natur und die Rücksichtlosigkeit der Menschen so grenzenlos sein müssen. Und das war noch Jahre vor manchen Krisen von heute, Grexit, Staatspleite, Flüchtlingskrise …

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Der Pauschaltourismus von Kreta hat sich in den letzten 20 Jahren rasant weiter entwickelt, die Bautätigkeit war speziell an der Nordküste ausufernd und zerstörend, der Naturflächenverbrauch enorm. EU-Gelder flossen im großen Stil ins Land, in den Ausbau der Infrastruktur etwa und in den Straßenbau. Völlig sinnlose Straßen wurden gebaut, kreuz und quer durch die Berge, um deren weiteres Schicksal sich heute niemand mehr kümmert. Sie verkommen. Überall reißen Spuren der Erosion tiefe Wunden in die Landschaft. Brände (nicht zuletzt gelegte), übermäßige Bestände an Schafen und Ziegen, das Pflanzen immer weiterer Olivenhaine mit ihrem enormen Bedarf an Wasser, sinkender Grundwasserspiegel, ausufernder Pestizid- und Herbizideinsatz, der für europäische Verhältnisse immer noch unfassbare Umgang mit Abfall (illegale Mülldeponien in Höhlen, Schluchten, überall …). Die Relikte mancher illegaler Bauwerke stehen wie Mahnmale menschlicher Rücksichtlosigkeit in der Landschaft. Verbrannte Erde. All das war damals schon zu sehen, all das gibt es bis heute.

 

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Nie hätte ich gedacht, dass der mediterranste aller Bäume mich stören würde, seit Plinius als Grenzzieher der Mittelmeerregion bekannt. Olivenbäume soll es nach einer groben Schätzung von etwa 20 Millionen geben, ständig werden es aber mehr. Die reinste Monokultur mit all ihren negativen Folgen. Der mediterranste aller Bäume wird unter der Diktion der Menschen zum Fluch. Genauso wie die Schafe, etwa drei Millionen nach der genannten Seite, und hinzu kommen noch 100.000 Ziegen. Die mediterrane Welt ist bedroht wie viele andere Welten auf diesem Planeten auch.

mare_mundi_station_kreta_ biologie_meeresbiologie_ mittelmeer_forschung (7 von 12)Der Frühling bedeckt noch die Wunden. Er ist so wunderschön, dass man sie im Rausch der Farben und Düfte gern übersieht. Wenn der unbarmherzige Sommer mit seiner Hitze und Trockenheit die bunte Decke zum Verschwinden gebracht hat, werden die Wunden aber um so sichtbarer. Dann wird das Meer schön warm, und unzählige Touristen werden auf die Insel strömen. Die Menschen hier brauchen diese Besucher, denn sie leben von ihnen.
Darum lohnt es sich für alle, Einheimische wie Besucher, viel mehr für die Bewusstseinsbildung zu tun. Damit die Schönheit dieser einmaligen Insel über und unter Wasser erhalten werden kann.

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Text & Fotos: Robert Hofrichter
Redaktion: Astrid Hickmann


 

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