MareMundi-Serie: Die größten Probleme der Erde: die Überbevölkerung

Vor kurzer Zeit kündigten wir auf dieser Seite den Start einer neuen Initiative der Meeresschutzorganisation MareMundi an. Wir wollen die größten ökologischen Probleme der Gegenwart für jedermann leicht verständlich darstellen, die Ursachen aufzeigen und die dringende Notwendigkeit der Beschäftigung mit diesem Thema unterstreichen. In dieser Folge beginnen wir mit der Grundursache der meisten Probleme, der Überbevölkerung. Der moderne Mensch (Homo sapiens) begann seine Entwicklung vor etwa 200.000 Jahren (vgl. Wikipedia). Lange Zeit blieb er eine Art von vielen. Doch führte seine Bevölkerungsentwicklung am Ende zu ernstzunehmenden Problemen. Die Marke von einer Milliarde Menschen erreichte er um 1800 n. Chr. Seither kam in ca. 200 Jahren über 6 Milliarden Menschen dazu (siehe Quelle 1).

 

Foto: Wikipedia.

Niedrige Sterberate: Gut für uns als Individuen, schlecht für die Erde

Das enorme Wachstum der letzten wenigen Jahrhunderte ist auf eine erfreulich niedrige Sterberate zurückzuführen. Der Effekt der gesunkenden Sterberate konnte jedoch durch die sinkende Geburtenrate – global aktuell 2,5 Kinder/Frau (2015) – noch nicht ausgeglichen werden. Im Falle einer weiterhin sinkenden Geburtenrate ist aber noch in diesem Jahrhundert eine stabile, nicht mehr wachsende Erdbevölkerung möglich.

 

Grafik: Wikipedia.

Bildung, Aufklärung und Selbstbestimmung der Frauen schaffen Abhilfe

Die sinkende Geburtenrate vieler hochentwickelten Volkswirtschaften oder Schwellenländer ist auf gesellschaftliche Entwicklungen zurückzuführen und nicht auf die direkte Beeinflussung einzelner Frauen. Die 1-Kind-Politik Chinas (1980-2015) hat diesen Trend allenfalls leicht beschleunigt. Nach allgemeinem Konsens haben letztlich die Urbanisierung und die vermehrte Selbstbestimmung der Frauen zum deutlichen Absinken der Geburtenrate geführt.

 

Foto: Wikipedia.

Zwischen Optimismus und Pessimismus: Wie geht es weiter? Niemand weiß es ganz genau …

Wieviele Menschen wird es auf der Erde geben? Maximal 8 Milliarden? Maximal 11 Milliarden? Oder doch mehr als 16 Milliarden? Die aktuellen Prognosen, wann die Erdbevölkerung ihr Maximum erreichen und wie hoch dies ausfallen wird, sind sehr unterschiedlich.

Jorgen Randers prognostiziert in seinem Bericht an den Club of Rome 2052 einen Höchststand von 8,1 Milliarden Menschen, der in den 2040-ern erreicht wird (siehe Quelle 2). Das ist sehr optimistisch. Die UN prognostiziert in einem ihrer drei Szenarien bis zu 16 Milliarden Menschen im Jahr 2100 mit dann immer noch steigender Tendenz. Das sind gewaltige Unterschiede.

Es ist unklar, wie all diese Menschen mit Wasser, Nahrung und Wohnraum versorgt werden können und wie bzw. ob die Erde allen Menschen den Lebensstil (dazu in den kommenden Wochen mehr) ermöglichen kann, den sie sich wünschen.

 

Afrika als Beispiel: Wohin steuert der Kontinent?

Nach allen Prognosen wird die Bevölkerung in Afrika am schnellsten wachsen. 1950 betrug sie 229 Millionen Menschen. 2015 beträgt sie 1.186 Millionen Menschen. Die Geburtsrate Afrikas ist momentan (2015) mit 4,7 Kinder/Frau die absolut höchste weltweit.

Die Geburtsrate (2015) in den übrigen Kontinenten:

  • Europa: 1,6 Kinder/Frau
  • Asien: 2,2 Kinder/Frau
  • Nordamerika: 1,9 Kinder/Frau
  • Mittel-/Südamerika und Karibik: 2,2 Kinder/Frau
  • Australien und Ozeanien: 2,4 Kinder/Frau

 

Afrika soll damit keineswegs an den Pranger gestellt werden. Aus der hohe Geburtenzahl, der Armut und der strukturellen Unterentwicklung großer Gebiete des Kontinents kann vielmehr abgeleitet werden, dass Afrika dringender denn je die Solidarität der Weltgemeinschaft im Sinne einer fairen Partnerschaft benötigt. Wenn sich die traditionelle Ausbeutung Afrikas durch höher entwickelte Volkswirtschaften fortsetzt, ist eine ökologische und humanitäre Krise des gesamten Kontinents nahezu unausweichlich. (demnächst ,ehr zum Thema Korruption, ein wesentlicher Faktor auch bei der kaum kontrollierbaren Naturzerstörung).

 

In der nächsten Folge: Unser Lebensstil als Ursache des ökologischen Niedergangs

 

Quellen:

  1. Durand J: „The modern Expansion of World Population“. Proceedings of the American Philosophical Society. Philadelphia 1967; 111; S139
Wie hat sich die Erdbevölkerung in den letzten Tausenden von Jahren entwickelt? Schwer zu sagen, es gab keine verlässlichen Erhebungen. Historische Daten lassen dennoch eine gute Annäherung an diese Frage zu. Dieses Paper ist Grundlage für die häufig präsentierte Darstellung einer zuletzt nahezu explosiven (und in einem bestimmten Zeitabschnitt supraexponentiellen) Zunahme der Erdbevölkerung.
  2. Jorgen Randers war einer der Autoren des legendären Berichts „Die Grenzen des Wachstums“ (1972). Nachdem er sich über viele Jahrzehnte hinweg um die die Zukunft der Erde gesorgt hatte, wollte er es im Jahr 2012 wissen: Er schaute 40 Jahre zurück und erstellte eine Prognose für die nächsten 40 Jahre. Er folgte dabei keiner Ideologie, vielmehr setzte er auf lange Datenreihen, nüchterne Expertenmeinungen und dynamische Tabellenkalkulationen. Er lässt Sie teilhaben an seiner Logik und hofft noch immer noch, es käme anders …

 

Bericht: Dr. Christian Voll, MareMundi

Redaktion: Dr. Robert Hofrichter, MareMundi

Die Gesamtdarstellung der Probleme und ihrer Ursachen findet sich unter „Grundlagen“ im Menü dieser Webseite.

Bisher auf „Aktuelles“ erschienen:

Teil 1: Warum Naturschutz für uns alle von entscheidender Bedeutung ist? Noch gibt es viel zu retten, werden Sie Teil der Problemlösung!