Schulprojektwochen bei MareMundi auf Krk: Die Gänsegeier (Gyps fulvus) von Plavnik und Cres

Bei den Bootsausflügen der MareMundi Station Krk, die zum Standardprogramm unserer Projektwochen für Schulen gehören, können unsere Schüler auf den benachbarten Inseln Cres und Plavnik regelmäßig die beeindruckenden Gänsegeier (Gyps fulvus) bewundern. Sie sind größer als die meisten Adler und zählen mit einem Körpergewicht von bis zu 15 kg und  Flügelspannweite bis zu 2,80 m zu den größten Vögeln überhaupt. Die beachtliche Größe, der zeitlupenartig langsame Flügelschlag und ihr Segelflug mit ausgedehnten Gleitphasen machen sie unverwechselbar. Die imposanten Vögel sind u.a. durch Beunruhigungen durch Touristenboote und den Rückgang der Schafzucht gefährdet.

 

 Die Inselpopulationen der Gänsegeier auf Cres, Plavnik und Krk sind einzigartig, da die Geier hier ihre Horste auf den steil abfallenden Klippen am Meer bauen – manchmal weniger als zehn Meter hoch. Auch aus diesem Grund ist Rücksichtnahme seitens der Tourismusboote sehr wichtig. Die meisten Bootsbetreiber versuchen die Vögel nicht zu stören und halten eine gewisse Distanz ein, doch schwarze Schafe gibt es leider überall. Gänsegeier bevorzugen offene, trockene Täler oder Hochebenen als Lebensraum, die sie nach Aas absuchen. Sie segeln und gleiten gern vor den Steilhängen und Klippen. Oft leben sie in lockeren Kolonien von 10 – 20 Paaren.

 

 

Geier sind beeindruckende Vögel, die segelnd nach Aas Ausschau halten. Ihre Flügelmuskulatur ist im Verhältnis zum Körpergewicht und zur Flügeloberfläche schwach ausgebildet, daher sind sie auf Thermik angewiesen und selten früh morgens aktiv. Oft leben sie in kleinen Verbänden. Kopf und Hals der meisten Arten sind als Folge der Nahrungsspezialisierung auf Kadaver unbefiedert (eine Ausnahme ist der Bartgeier, der nur Knochen frisst und die Federn am Hals daher nicht „stören“).

 

 

Ein traditionelles Ökosystem mit Schafen und Geiern

Geier ernähren sich ausschließlich von Tierkadavern und greifen niemals lebende Beute an. Als Aasfresser hemmen sie die Ausbreitung von Krankheitserregern und verhindern damit Epidemien unter dem Vieh. Aas findet sich aber nicht regelmäßig und nicht überall. Gäbe es auf den Inseln der Kvarner Bucht in der Nordadria keine traditionelle Schafzucht, bei der die Schafe ganzjährig im Freien leben, was ihre natürliche Mortalität erhöht, könnten die Geier nicht überleben. Somit sind die Geier von den Schafzüchtern abhängig und umgekehrt diese auch von den Geiern, da man Tierkadaver im Karst nicht vergraben kann und sie eine mögliche Infektionsquelle darstellen. Die enge Verbindung zwischen Gänsegeiern und Schafzüchtern existiert bereits seit Jahrtausenden. Die wirtschaftliche Bedeutung der Schafzucht sinkt aber. Doch die Geier am Himmel über den Inseln der Kvarner Bucht werden nur dann erhalten bleiben, wenn man auch die alte Tradition der Schafzucht erhält.

 

Lebensraum der Gänsegeier in der Kvarner Bucht.

Hausziegen auf Krk: Ohne einen ausreichend großen Wildbestand, vor allem aber die Haustierzucht bzw. -haltung, hätten die Geier keine Überlebenschance. In der Kvarner Bucht sind es vor allem Schafe. Geier fressen ausschließlich Aas.

Aus dem Leben der Gänsegeier

Die Vögel sind sehr langlebig, einige Tiere erreichten ein Alter von 60 Jahren. Das Weibchen legt manchmal schon im Dezember ein Ei. Beim Brutgeschäft wechseln sich die Elterntiere ab. Nach dem Schlüpfen bleibt der Jungvogel ungefähr 4 Monate lang im Horst, bevor er auf eigene Nahrungssuche ausfliegt. Doch bleibt er auch dann für 1 bis 2 weitere Monate an die Eltern gebunden. Nachdem das Jungtier definitiv selbstständig geworden ist, verlässt es die Heimatkolonie und begibt sich auf Wanderung nach Norden in den Alpenraum und später nach Süden bis ins mittlere Afrika. Nach fünf Jahren Wanderschaft wird der Vogel geschlechtsreif, findet seinen Geschlechtspartner und kehrt mit ihm in seine Heimat zurück, um dort einen Horst zu bauen – manchmal auf demselben Felsen, auf dem er selbst einmal geschlüpft ist.

 

Geierlebensräume auf Cres.

 

Vogelreservate auf Cres

Gänsegeier sind durch das Umweltschutzgesetz streng geschützt. Das Töten der Vögel und Stören beim Brutgeschäft sind Straftaten, die mit bis zu 40.000 Kuna geahndet werden. In zwei Vogelreservaten („Podokladi“ im mittleren und „Kruna“ im nördlichen Teil der Insel Cres) kommen 50 – 60 Brutpaare vor.

Das Umweltzentrum Caput Insulae – Beli (ECCIB) führte lange Jahre ein ständiges Monitoring der Vogelpopulation im Kvarner Archipel durch, indem alle Nester in den zwei Reservaten auf Cres überprüft wurden. Junge Geier wurden in ihren Nestern beringt und ihre Flügel markiert, was es möglich machte ihre Wanderwege in ganz Europa, Asien und Afrika zu überwachen. Die Station betrieb auch eine „Genesungsstätte“ (Rehabilitationsgehege) in der vergiftete oder verletzte Vögel so lange gepflegt wurden bis sie wieder in die Freiheit entlassen werden konnten. Zusätzlich betrieb das Zentrum zwei „Geierrestaurants“, also Dauerfutterstellen für entlassene und durch Futtermangel bedrohte Tiere. Hier wurden jährlich bis zu hundert Tonnen Fleisch zugefüttert.

Doch Geldmangel machte den weiteren Betrieb dieser verdienstvollen Initiative vor wenigen Jahren unmöglich. Details dazu siehe hier .

 

Schule am Meer, schule-am-meer.eu, mare-mundi, Krk, Kroatien, Meeresbiologische Projektwoche, Meeresbiologie-94

 

Wie Du helfen kannst diese einzigartigen Vögel zu schützen

  • Fahre bitte mit dem Boot nicht zu nahe und zu schnell an die Küste heran, an der die Geier nisten. Mit einem Fernglas kann man die Tiere wunderbar aus der Ferne beobachten. Du ersparst ihnen enormen Stress.
  • Vermeide in der Nähe der Klippen und Nester jedes laute Geräusch. Leider benehmen sich manche Touristen dumm und versuchen die Vögel aufzuschrecken, damit sie auffliegen.
  • Melde jedes unangebrachte Verhalten gegenüber den Tieren, wie z. B. Jagen, Stören, zu den Nestern klettern, Diebstahl der Eier etc. umgehend den Behörden.

 

Helfen auch Sie uns die Natur der Kvarner Bucht effektiver zu schützen! Danke!

 

Bericht und Fotos: Robert Hofrichter