Neuigkeiten von unserem Kursleiter Yannic Ege

Ein erneutes „Dobar dan“, liebe Leute!

Wie in meinem letzten Bericht zu lesen war, habe ich 2017 neben der Leitung von Kursprogrammen für Schulklassen an der MareMundi Station auf Krk damit begonnen, Daten für meine Masterarbeit zu erheben. Hierbei habe ich mich mit Krebsen beschäftigt, genauer mit der Gruppe der Einsiedlerkrebse, auch Paguroidea genannt. Die meisten dieser Tiere tragen zum Schutz ihres Hinterleibes ein Schneckenhaus, was sie zu einer der erfolgreichsten Gruppen der Krebstiere macht und sich in über 1000 rezenten Arten manifestiert.

Aufgrund dieser Artenvielfalt, welche sich vom Flachwasser bis in die Tiefsee, semiterrestrisch an Land und sogar bis ins Süßwasser erstreckt und sich vor allem in einer enormen Disparität (= Vielgestaltigkeit) der Scheren (= Chelipeden) widerspiegelt, laden Einsiedlerkrebse quasi dazu ein, funktionsmorphologisch untersucht zu werden (d.h. den Bau und die Gestalt der Organismen unter besonderer Berücksichtigung spezieller Funktionen bzw. Anpassungen an die jeweiligen Lebensweisen zu ergründen).

Einsiedlerkrebse bilden mit über 1000 Spezies die artenreichste Gruppe der Anomura und das trotz relativ enger Verwandtschaftsverhältnisse. Außerdem sind sie eine sehr diverse Tiergruppe, welche sich in einer Vielzahl von Lebensräumen etablieren konnte. Große Bekanntheit genießen beispielsweise die Landeinsiedlerkrebse (Coenobitidae), allen voran der Palmendieb (Birgus latro – oben links), welcher mit bis zu 40 cm Körperlänge und einem Gewicht von 3 bis 4 kg den größten, rezenten, landlebenden Vertreter aller Arthropoden (= Gliederfüßer) darstellt. Zusammen mit den Königskrabben (Lithodidae – oben rechts) handelt es sich hierbei (phylogenetisch gesehen) um Vertreter der Einsiedlerkrebse, welche nicht mehr auf das Tragen eines Schneckenhauses angewiesen sind. Die phylogenetische Stellung der Königskrabben wurde lange Zeit kontrovers diskutiert, schlussendlich kann die sogenannte „hermit to king“ Hypothese („vom Einsiedler zum König“) jedoch als bestätigt angesehen werden.

 

Als Resultat ergab sich folgendes, sehr interessantes Thema für meine Masterarbeit:

Funktionsmorphologie der Chelipeden von Einsiedlerkrebsen (Decapoda, Paguroidea)

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Functional morphology of the chelipeds in hermit crabs (Decapoda, Paguroidea)

 

Ziel der Arbeit war es, die Scheren von Linkshändigen und Rechtshändigen Einsiedlerkrebsen in morphologischem und verhaltensbiologischem Kontext zu untersuchen, um Aussagen über ihre Form, Funktion sowie die biologische Rolle treffen zu können. Diese Erkenntnisse wurden als Grundlage eines Vergleichs der rechten und linken bzw. dominanten (linke Scheren der Diogenidae sowie rechte Scheren der Paguridae) und subdominanten Scheren beider Einsiedlerkrebsfamilien genutzt, um Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten taxonübergreifend herauszustellen.

Die biologische Rolle beschreibt nach Bock & von Wahlert (1965) alle Merkmalseigenschaften eines Form-Funktions-Komplexes (hier die Chelipeden), welche die Nutzung oder Interaktion eines Organismus mit seiner Umwelt betreffen. Im Vergleich zu anderen Krebsen erfüllen die Chelipeden bei Einsiedlerkrebsen einige weitere Biologische Rollen, was vor allem mit dem Tragen der lebensnotwendigen Schneckenhäuser zusammenhängt. 

 

Die morphologische Analyse erfolgte anhand von mikro-computertomographischen Aufnahmen (μCT) der untersuchten Krebsscheren, während sich der verhaltensbiologische Ansatz auf Filmaufnahmen der biologischen Rolle „Nahrungsaufnahme“ stützt.  Im weiteren Verlauf wurden die Krebsscheren in Scherenfunktions- bzw. Scherenumrisstypen eingeteilt und den erstellten Filmaufnahmen vergleichend gegenübergestellt.

Während Krabben und Hummer zumeist keine festgelegten Rechts- bzw. Linkshänder sind – die dominante Schere also innerhalb einer Art sowohl links als auch rechts getragen werden kann – gibt es bei den Einsiedlerkrebsen phylogenetische Einheiten, welche sich auch über diese Händigkeit definieren. Für die Untersuchungen wurden vier Arten der Linkshändigen (Diogenidae) sowie zwei Arten der Rechtshändigen Einsiedlerkrebse (Paguridae) herangezogen.

 

Dank der von MareMundi zur Verfügung gestellten Infrakstruktur (Räumlichkeiten, Aquaristik- und Kameraequipment) konnten die untersuchten Tiere während der Nahrungsaufnahme bzw. Nahrungsmanipulation gefilmt werden. Die genaue Analyse und Auswertung des Filmmaterials wurde an der Universität Rostock durchgeführt.

 

Während der Winterpause der MareMundi Station auf Krk konnte ich mich dieser Aufgabe voll und ganz widmen, meine Masterarbeit fertigstellen und somit mein Zoologiestudium an der Universität Rostock als Master of Science erfolgreich abschließen!

Im nächsten Bericht möchte ich Teile meiner Masterarbeit vorstellen, insbesondere die Bereiche, welche an der MareMundi Station auf Krk aufgenommen und bearbeitet wurden. Viel Spaß beim Lesen!

 

Bericht: Yannic Ege

Fotos: Yannnic Ege

Redaktion: Dr. Walter Buchinger