Zu Besuch im Naturhistorischen Museum in Rijeka

Maximilian Wagner, Mitarbeiter der MareMundi Station Krk, hat für uns das Naturhistorische Museum in Rijeka besucht.

 

Direkt am Rande des Vladimir Nazora Parks, leicht versteckt und eingebettet in einen botanischen Garten, liegt das kleine Naturhistorische Museum von Rijeka. Das Gebäude selbst erzählt eine beachtliche Geschichte, die tief in der österreich-ungarischen Monarchie verwurzelt ist.

Das Naturhistorische Museum in Rijeka , gelegen in Lorenzov prolaz 1 

Bereits die Adresse „Lorenzov prolaz 1“ gibt Auskunft über die  Geschichte dieses Ortes. Josef Roman Lorenz, später auch Josef Roman Lorenz Ritter von Liburnau (1825 – 1911), war ein österreichischer Naturwissenschaftler, der vor allem für seine meteorologischen, botanischen und zoologischen Arbeiten bekannt wurde. Eine seiner für die Gegend rund um Rijeka prägendste Arbeit trägt den Titel Physikalische Verhältnisse und Vertheilung der Organismen im Quarnerischen Golfe aus dem Jahre 1863, welche auch heute wieder in einer Neuauflage aus 2012 verfügbar ist (ISBN-10: 1275395279). 1876 präsentierte Lorenz dem Bürgermeister der Stadt Rijeka die Baupläne für ein Gebäude, welches stark an das Naturhistorische Museum Wien erinnern, und eines der modernsten Naturhistorischen Museen in Europa abgeben sollte.

Josef Roman Lorenz Ritter von Liburnau (1825 – 1911) war ein prägender Charakter in der Geschichte des kleinen Museums.

Für die Öffentlichkeit wurde das Museum jedoch erst 1946 zugänglich. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebte das Museum einen wissenschaftlichen Aufschwung und bekam mehr und mehr an Bedeutung.

Heute beherbergt es eine Sammlung von über 90 000 Exponaten. Neben einigen permanenten Ausstellungsräumen (z.B. die geologische Geschichte der Adria, oder ein Multimediaraum mit Unterwasservideo-Sequenzen), beherbergt das Museum im Keller ein Aquarium, in dem sich bekannte Mittelmeerfische und andere Tiere aufhalten.

Im Erdgeschoss kann man die spannende geologische Entstehungsgeschichte der Adria erkunden und erforschen.

Im Erdgeschoss befindet sich ein großer Schauraum, in dem einige imposante Exponate von großen und wichtigen Haiarten des Mittelmeeres präsentiert werden, darunter auch der Große Weiße Hai oder der sanfte Riesenhai, der jedes Frühjahr ein regelmäßiger Gast in der Kvarner Bucht ist.

Ein Multimediaschauraum inklusive Videoleinwand und imposante Exponate von Haien warten auf die Besucher im Erdgeschoss.

So manche Schätze jedoch, bleiben dem „normalen“ Besucher des Museums verborgen, zum Beispiel die ichthyologische Sammlung mit derzeit mehr als 4100 Objekten, die einige Überraschungen beherbergt.

Die ichthyologische Sammlung beherbergt mehr als 4000 Exemplare, darunter auch spannende Vertreter tieferer Wasserschichten wie Schnepfenfische (rechts), die erst ab 50m Wassertiefe zu finden sind.

Der Chefkurator der Ichthyologischen Abteilung ist Dr. Marcelo Kovačić, ein weltweit anerkannter Zoologe, der sich vor allem einer der artenreichsten Wirbeltiergruppen verschrieben hat, den Grundeln (Gobiidae). Durch enge Zusammenarbeit mit ihm gelang es mir letztes Jahr eine Fischart aus der Museumskollektion, welche falsch bestimmt wurde, zum ersten Mal für die Adria nachzuweisen. Die wissenschaftliche Abhandlung dazu (Lepadogaster purpurea from the Eastern Mediterranean Sea: Signifcantly extended distribution range) ist frei unter folgendem Link verfügbar und kann gratis heruntergeladen werden: https://www.aiep.pl/volumes/2010/8_4/pdf/14_2244_F1.pdf.

Chefkurator der ichthyologischen Sammlung Marcelo Kovačić (rechts) und Maximilian Wagner (links) bei der Begutachtung seltener und alter Exponate.

Falls Sie also das nächste Mal auf dem Weg nach Kroatien sind, oder Sie uns auf unserer Station auf Krk besuchen wollen, passieren Sie doch die Grenze bei Rupa (nördlich von Rijeka), und machen Sie einen kleinen Zwischenstopp im Museum in Rijeka. Abgesehen davon strahlen die zahlreichen Kaffees der Altstadt und die belebte Hafenstadt authentisches mediterranes Flair aus, abseits vom Massentourismus und mitten im kroatischen „dolce Vita“.

 

Infos zum Museum finden Sie auf der offiziellen Webseite:

http://www.prirodoslovni.com/eng/homepage.html.

 

Bericht: Maximilian Wagner
Fotos: Maximilian Wagner
Redaktion: Dr. Walter Buchinger